STAUB ÜBER DEN WORTEN
er hat sich auf das Papier gelegt
Staub
graue Fragmente der Unbedeutsamkeit
Staub
der mich umhüllt in meinen Pausen
Staub
der mich beschwert in meinem Wachstum
Staub
der nur darauf wartet,
dass ich ihn mit meiner Hand spürend und bewusst wegwische,
dass ich ihm eine neue Fläche bereitstelle,
auf der er sich ausbreiten kann
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Wie könnte es jemals Worte geben,
die in allen Sprachen dieser Welt noch keinen Mund verlassen haben?
Worte, die niemanden erschöpfen,
nachdem sie mich und dich und die anderen einsam erreichten?
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Wurde nicht bereits alles gesagt?
alles geschrieben?
alles kopiert?
oder in einer anderen Farbe gestrichen
und als eigen interpretiert?
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Ist nicht schon alles einmal geschehen?
Haben wir daraus gelernt?
Wissen wir überhaupt, wohin wir gehen?
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Könnte ein einziges Wort,
das ich mit der Federspitze forme und
zu Papier bringe
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ein Satz
ein Gedicht
eine Geschichte
ein Roman
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unter allem
- was bereits existiert -
jemals von Bedeutung sein?
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Wie könnte ein einziger Brief zu einem Schlüssel werden?
Wie könnte ein Satz, den ich ausspreche, etwas bewirken, was noch nicht geschehen ist?
In diesen vielen überfüllten und gesättigten Kreisen, die uns heimsuchen
in den Leeren, die wir zu betäuben glauben.
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wo es doch das Innen eines Menschen ist,
das nach Gleichgewicht verlangt
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das geschändete Herz der Natur,
das nach Einsicht schreit
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nach unseren leisen Taten
statt nach lauten Worten
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trotz aller Zweifel
möchte ich glauben
möchte ich wirken
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in meinem Schreiben
in meinem Tun
in meinem Suchen
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auf jede Tat, die uns braucht
auf jede Seele, die wir erreichen
auf jedes Spüren, das uns geschenkt wird
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hören wir nicht auf, den Staub zu wandeln
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bitte hören wir nicht auf damit